EU-Zinsrichtlinie

Die Jahresbescheinigung und die Kontenkontrolle werden flankiert von grenzüberschreitenden Maßnahmen. Ab Juli 2005 tauschen die meisten EU-Staaten Kontrollmitteilungen über Kapitalerträge aus. Die restlichen EU-Länder, wie Belgien, Österreich und Luxemburg, führen gemeinsam mit Drittländern, wie der Schweiz, Liechtenstein, Monaco, den Kanalinseln und sogar den britischen Jungferninseln sowie den Niederländischen Antillen, eine Quellensteuer für Anleger mit Wohnsitz in einem anderen EU-Staat ein.

Die Erträge deutscher Sparer z.B. aus den Niederlanden, Polen oder Dänemark werden dann jährlich der heimischen Finanzbehörde gemeldet. Selbst wenn nur ein Euro Zinsen fließen, wird die Kontoverbindung transparent. Nachfragen
über detaillierte Auflistungen von Auslandserträgen in den vergangenen Jahr­en sowie nach der Herkunft der Gelder sind vorprogrammiert. Aus Staaten mit Quellensteuer kommt keine Kontrollmitteilung, die Quellen­steu­er­ wird anonym einbehalten. Ihre Erstattung kann aber nur mit der heimischen Steu­ererklärung erfolgen, wenn auch gleichzeitig die Kapitalerträge versteuert wer­den.

 
Beispiel
Ein deutscher Anleger erzielt in Salzburg als auch in Venlo Zinseinnahmen von je 1.000 €. Auf dem niederländischen Konto wird der komplette Betrag gutgeschrieben und nach Deutschland gemeldet. Österreich behält 150 € Quellensteuer ein, die nur über die inländische Steuererklärung erstattet wird.

 

Die EU-Kontrollen haben aber noch eine Vielzahl von Schlupflöchern. Denn eine Reihe von Kapitalerträgen erfasst die EU-Richtlinie überhaupt nicht:

 

-                 alle Wertpapierverkäufe sowie Options- und Termingeschäfte

-                 Dividenden, auch bei Aktienfonds

-                 Erträge aus Lebensversicherungen

-                 Zinsen aus Anleihen, die vor März 2001 emittiert wurden

-                 Fonds mit einem Rentenanteil von maximal 40 %

-                 Erträge auf Konten von Kapitalgesellschaften

-                 Zertifikate und Optionsscheine

 

Die Banken jenseits der Grenze passen derzeit emsig die Depots der ausländischen Kundschaft an die Richtlinie an. Die Tendenz geht hin zu Zertifikaten, Lebensversicherungen und Fonds, die in nicht erfasste Produkte investieren oder die 40%-Grenze einhalten. Zwar ist die Zinsrichtlinie noch „unvollständig“, je­doch ist der Einstieg in die internationale Kapitalkontrolle erfolgt und sorgt durch die gesetzlichen Verschärfungen für ein zunehmendes Erfassungsnetz. So können auch die Sozialbehörden mittels Datenabgleich auf die von Auslandsbanken gemeldeten Kontoinformationen zugreifen.

 

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