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Betroffene Geldgeschäfte

Die EU-Kontrollen haben aber noch eine Vielzahl von Schlupflöchern. Denn eine Reihe von Kapitalerträgen erfasst die EU-Richtlinie überhaupt nicht. Kontrollmitteilungen oder Steuerabzüge wirken nur auf bestimmte Zinserträge. So sind Aktien, Zertifikate, Lebensversicherungen, Termingeschäfte und Verkaufsgewinne nicht betroffen, Investmentfonds nur zum Teil und eine Reihe von Anleihen erst einmal ausgenommen. Diese Ausnahmeregelungen führten bereits dazu, dass viele Anleger ihre Auslandsdepots „richtlinienkonform“ angepasst haben, also auf befreite Produkte gesetzt haben.

5.1. Anleihen
Die Richtlinie wirkt grundsätzlich auf alle Zinsen, also bei Anleihen, Festgeld, Sparbriefen oder Kurserträgen aus abgezinsten Papieren wie Zerobonds. Einige Anleihen werden aber zeitlich befristet verschont. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Zinsen in Ländern mit Quellensteuer oder Kontrollmitteilung fließen.

Nicht betroffen sind Anleihen, die vor März 2001 ausgegeben wurden. Dabei ist die Herkunft des Schuldners unerheblich. Das relevante Emissionsdatum können Sparer leicht aus den Daten Fälligkeit abzüglich Laufzeit der Anleihe herleiten. Diese Anleihen werden erst einmal nur bis 2011 verschont. Sollten bis dahin Belgien, Luxemburg und Österreich nicht auf Kontrollmitteilungen umsteigen müssen, brauchen diese drei EU- sowie die Drittstaaten von den begünstigten Bonds weiterhin keine Quellensteuer einzubehalten. Länder mit Kontrollmitteilungen melden jedoch ab 2011 Zinsen aus diesen Papieren.

 

Hinweis
Die Richtlinie stellt nur auf natürliche Personen ab, Kapitalvermögen einer GmbH, Stiftung oder AG bleibt unabhängig von den Sparprodukten außen vor. Daher gründen viele Sparer eine Kapitalgesellschaft und lassen ihr Depot unter diesem Namen laufen. Werden die Zinsen an die Besitzer ausgeschüttet, handelt es sich lediglich um nicht betroffene Dividenden.

5.2. Investmentfonds
Ob Fonds betroffen sind, richtet sich nach deren Depotvermögen.

- Grundsatz: Aktien-, Terminmarkt- oder Immobilienfonds sind nicht betroffen, und bei thesaurierenden Anteilen greifen Quellensteuer oder Kon­trollmitteilungen nur im Falle von Einlösung oder Verkauf.

- Rentenfonds bleiben unabhängig von der Depotstruktur außen vor, wenn die Manager ausschließlich in begünstigte Anleihen investieren, also etwa vor 2001 emittierte Bonds.

- Bei ausschüttenden Fonds sind Zinsen nur betroffen, wenn der Anteil an schädlichen Anleihen im Depot über 15 % liegt.

- Bei Thesaurierung ist nur der Fondsverkauf maßgebend, und hier dann der Kursertrag. Dieses Plus unterliegt nicht der Richtlinie, wenn der schädliche Rentenanteil maximal 40 % beträgt.

- Aktienfonds: Dividenden und Verkaufserlöse sind wie die Direktanlage überhaupt nicht betroffen.

- Hedge-Fonds: Terminmarktgeschäfte sind keine Zinserträge und daher nicht erfasst. Diese Fonds sind aber auch im heimischen Depot nicht von der Steuerpflicht betroffen.

- Immobilienfonds: Die Erträge hieraus sind bei offenen und geschlossenen Fonds ebenfalls nicht betroffen.

5.3. Ausweichprodukte
Zertifikate werfen keine Zinsen ab, und Verkaufserlöse erfasst die EU-Richt­linie nicht. Daher wird dieses Produkt weder von Quellensteuer noch von Kontrollmeldungen erfasst. Sie  sind jenseits der Grenze derzeit der Renner, unabhängig davon, ob sich die Derivate an Aktien-, Öl-, Edelmetall- oder Anleihekursen orientieren.

Auch Lebensversicherungen sind nicht betroffen, unabhängig von Laufzeiten und Vertragsbeginn. Daher bieten viele Auslandsbanker derzeit an, das gesamte Depot in eine Police zu übertragen und unverändert weiterzuführen.

 

 

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