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Die Neuregelungen für geringfügig Beschäftigte

Typische Fallbeispiele aus der Praxis

  1. Der Arbeitnehmer hat nur eine geringfügige Beschäftigung mit einem monatlichen Arbeitslohn i. H. von 400 Euro. Der Arbeitgeber (kein Privathaushalt) kann den Lohn ohne Abzüge auszahlen. Er muss die Pauschalabgaben i. H. von 30 % (15 % für die Rentenversicherung, 13 % für die Krankenversicherung und 2 % Pauschsteuer) an die gemeinsame Einzugsstelle bei der Bundesknappschaft überweisen.

    Gegenüber der bisherigen Rechtslage ergibt sich allerdings für den Arbeitgeber eine Mehrbelastung. Bei einem Arbeitslohn von 400 Euro wären hier nur Lohnnebenkosten – Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung – von rund 21 % angefallen. Für den Arbeitnehmer ist die Aufnahme der geringfügigen Beschäftigung weit attraktiver als bisher, denn die hohen Lohnabzüge nach der bisherigen Rechtslage – Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung rund 21 %, sowie z. B. Lohnsteuer i. H. von 62,33 Euro für die Steuerklasse V – entfallen. Die Lohnnebenkosten reduzieren sich insgesamt von 42 % nach bisherigem Recht auf nun 30 %.

    Ist der Arbeitnehmer im Privathaushalt beschäftigt, betragen die Pauschalabgaben nur 12 %.

  2. Der Arbeitnehmer erzielt aus seiner Beschäftigung einen monatlichen Arbeitslohn in Höhe von 500 Euro. Die Beschäftigung ist sozialversicherungspflichtig in allen Zweigen der Sozialversicherung. Ab 1.4.2003 kommt hier die neu eingeführte Gleitzone zur Anwendung. Die Sozialversicherungsbeiträge werden folglich nicht mehr je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Denn während der Arbeitgeber den vollen Beitrag von zurzeit rund 21 % tragen muss, ist der Arbeitnehmeranteil – durch die lineare Steigerung von rund 4 % bei einem Entgelt von 400,01 Euro bis zum vollen Arbeitnehmerbeitrag von rund 21 % bei einem Arbeitslohn von 800 Euro – weit niedriger. Die Lohnsteuer ist wie bisher zu berechnen. Eine Lohnsteuerpauschalierung ist nicht zulässig.

  3. Der Arbeitnehmer hat mehrere Beschäftigungsverhältnisse. Bleibt das zusammenzurechnende Entgelt insgesamt unter der 400-Euro-Grenze, tritt keine Änderung gegenüber dem ersten Fallbeispiel, was die steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Behandlung betrifft, ein. Bei Überschreitung dieses Grenzwertes ist wie folgt zu unterscheiden:

    Fall 1: Der Arbeitnehmer verdient aus einer bisherigen geringfügigen Beschäftigung 300 Euro. Er nimmt nun eine zweite Beschäftigung mit einem monatlichen Entgelt von 400 Euro auf. Nach der Aufnahme der zweiten geringfügigen Beschäftigung entfällt die Versicherungsfreiheit für beide Beschäftigungen. Die Arbeitgeber zahlen ihren vollen Anteil zur Sozialversicherung. Bei der Berechnung des ermäßigten Arbeitnehmerbeitrags zur Sozialversicherung kommt die neu eingeführte Regelung für die Gleitzone zur Anwendung. Die Entgelte sind für die Ermittlung des richtigen Beitragssatzes zusammenzurechnen.

    Fall 2: Der Arbeitnehmer geht neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung einer geringfügigen Nebenbeschäftigung mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 400 Euro nach. Der Arbeitnehmer braucht keine Abgaben zu zahlen, da er nur eine einzige geringfügige Beschäftigung neben der versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung ausübt. Der Arbeitgeber trägt die Pauschalabgaben in Höhe von 30 %.

    Fall 3: Der Arbeitnehmer übt eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung und eine Nebenbeschäftigung mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 600 Euro aus. Die Regelungen für die Gleitzone gelten in diesem Fall nicht. Die Nebenbeschäftigung ist voll sozialversicherungspflichtig. Beiträge sind auf das zusammengerechnete Entgelt zu erheben. Die Besteuerung erfolgt ebenfalls nach dem individuellen Steuersatz.

 

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